Forschungsorientiertes Hochschulseminar zum Thema Klassenführung

PROJEKTZUSAMMENFASSUNG

Das Projekt besteht aus der Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines schularten- und fächerübergreifenden Hochschulseminars, das in den Bildungswissenschaften verortet ist.  Inhalt des Seminars ist die forschungsorientierte Auseinandersetzung der Studierenden mit gemeinsam entwickelten Fragestellungen zum Thema Klassenführung. Neben inhaltlichem Wissen zur Klassenführung sollen damit auch eine forschende Grundhaltung gegenüber dem eigenen Unterricht sowie ein auch während der Schulpraxis fortdauerndes Interesse an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angebahnt werden.

RELEVANZ FÜR DIE LEHRERBILDUNG

Der Umgang mit Unterrichtsstörungen gehört für viele Lehrer/innen zu den Hauptbelastungen ihres Berufs (Ksienzyk & Schaarschmidt, 2004). Da eine effiziente Klassenführung grundsätzlich erlernbar ist (Hellermann, Gold & Holodynski, 2015; Kumschick et al., 2017), ist dieses Thema bereits im Lehramtsstudium von großer Bedeutung.

KLASSENFÜHRUNG

Die Klassenführung stellt ein Schlüsselmerkmal der Unterrichtsqualität dar. Sie beeinflusst die Interessenausbildung der Schüler/innen, ihre Anstrengungsbereitschaft und ihren Lernzuwachs. Auch auf Seiten der Lehrer/innen wirkt sich eine gute Klassenführung positiv auf das Belastungserleben, die Berufszufriedenheit und die Gesundheit aus (Helmke, 2014).

Der Begriff Klassenführung beinhaltet die Organisation und Strukturierung eines möglichst störungsarmen und differenzierten Unterrichts, der aktive Lernprozesse der Schüler/innen initiiert und aufrechterhält, die klare und konsequente Einforderung transparenter Klassenregeln sowie einen konstruktiven und möglichst präventiven Umgang mit Störungen. Ziel ist es, ein auf gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung basierendes Klassenklima zu etablieren, das jedem/r Schüler/in individuelle Lernerfolge ermöglicht (Hellermann, Gold & Holodynski, 2015; Helmke, 2014).

FORSCHUNGSORIENTIERUNG

Forschungsorientiertes Lernen (Huber, 2014) bietet nicht nur in der Schule, sondern auch in der Hochschule viele Vorteile: Die Lernenden nehmen aktiv an dem Forschungsprozess teil, wodurch vermehrt Tiefenstrategien angewendet werden, die zu einem weniger „trägen“ sondern flexibleren, leichter anwendbaren Wissen führen (Huber, 2009). Neben diesen lerntheoretischen Vorteilen bereitet das Forschungsorientierte Lernen aber auch auf viele Aspekte des späteren Lehrer/innenberufs vor, wie das Rezipieren aktueller wissenschaftlicher Literatur sowie das Erforschen, Reflektieren und Weiterentwickeln des eigenen Unterrichts. Auch die Studierenden selbst haben in einer Studie von Vetter und Ingrisani (2013) diese vier Bereiche als überdurchschnittlich relevant für ihren späteren Berufsalltag eingeschätzt. Darüber hinaus könnten positive Forschungserfahrungen im Studium das allgemeine Interesse an aktueller Forschung und Weiterbildungen erhöhen und damit auch längerfristig die Bereitschaft zur Kooperation mit Akteur/innen aus der Wissenschaft anbahnen. Ein solcher Austausch erleichtert zum einen den Transfer aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Klassenzimmer, kann aber auch umgekehrt wichtige Impulse aus der Praxis in die Wissenschaft tragen.

LITERATUR

  • Hellermann, C., Gold, B. & Holodynski, M. (2015). Förderung von Klassenführungsfähigkeiten im Lehramtsstudium. Die Wirkung der Analyse eigener und fremder Unterrichtsvideos auf das strategische Wissen und die professionelle Wahrnehmung. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und pädagogische Psychologie, 47, 97–109.
  • Helmke, A. (2014). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts (5. überarbeitete Aufl.). Seelze: Klett-Kallmeyer.
  • Huber, L. (2009). Warum Forschendes Lernen nötig und möglich ist. In L. Huber, J. Hellmer, & F. Schneider (Hrsg.), Forschendes Lernen im Studium: aktuelle Konzepte und Erfahrungen (S. 9-35). Bielefeld: UVW.
  • Huber, L. (2014). Forschungsbasiertes, Forschungsorientiertes, Forschendes Lernen: Alles dasselbe? Ein Plädoyer für eine Verständigung über Begriffe und Entscheidungen im Feld forschungsnahen Lehrens und Lernens. Das Hochschulwesen, 62, 32-39.
  • Ksienzyk, B. & Schaarschmidt, U. (2004). Beanspruchung und schulische Arbeitsbedingungen. In U. Schaarschmidt, Halbtagsjobber? Psychische Gesundheit im Lehrerberuf – Analyse eines veränderungsbedürftigen Zustandes (S. 77–87). Weinheim: Beltz.
  • Kumschick, I. R., Piwowar, V., Ophardt, D., Barth, V., Krysmanski, K., & Thiel, F. (2017). Optimierung einer videobasierten Lerngelegenheit im Problem Based Learning Format durch Cognitive Tools. Eine Interventionsstudie mit Lehramtsstudierenden. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 20, 93–113.
  • Vetter,  P. & Ingrisani,  D. (2013).  Der  Nutzen  der  forschungsmethodischen  Ausbildung  für  angehende Lehrpersonen. Beiträge  zur  Lehrerinnen-  und  Lehrerbildung, 31, 321-332.