Entwicklung und Evaluation von Lehrercoachings zum repräsentationsgestützten Umgang mit Lernschwierigkeiten im Bereich des funktionalen Denkens

Das funktionale Denken ist im Sinne eines Denkens in Zusammenhängen, Abhängigkeiten und Veränderungen (z. B. Vollrath, 1989) inner- und außerhalb der Mathematik bedeutsam (z. B. Hinrichs, 2008). Leider zeigen empirische Studien, dass Lernschwierigkeiten in diesem Inhaltsbereich unter Schülerinnen und Schülern verbreitet (z. B. Nitsch, 2015) und den jeweiligen Lehrkräften oft nur unzureichend bekannt sind (z. B. Hadjidemetriou & Williams, 2002).

Das vorliegende Projekt fokussiert darauf, das fachdidaktische Wissen von Lehrkräften zum Vorkommen von und Umgang mit bestimmten Lernschwierigkeiten im Bereich elementarer Funktionen zu verbessern. Dafür wurden mikroadaptive Lehrercoachings entwickelt und ihre Wirksamkeit unter etwa 60 Lehrkräften evaluiert. Die Coachings wurden in den Schuljahren 2015/16 und 2016/17 in zwei experimentellen Settings ausgebracht; diese Implementation ermöglichte die Untersuchung der Wirkung der systematischen Variation „Feedbackgabe“ (z. B. Shute, 2008). Neben einem Zuwachs an fachdidaktischem Wissen auf Lehrerebene wird eine Erhöhung von fachlicher Kompetenz sowie von emotional-motivationalen Variablen auf Schülerebene erwartet. Zur Evaluation von Fortbildungseffekten auf Schülerebene wurden die Lernenden aus etwa 50 Klassen (hauptsächlich Gymnasium und Realschule) in die Studie einbezogen.

Für die Konzeption der Coachings wurden erfolgsversprechende Merkmale aus theoretischen und empirischen Arbeiten aufgegriffen (vgl. z. B. Lipowsky, 2013) sowie Vorschläge von Experten verschiedener Bildungseinrichtungen integriert. Tests zur Evaluation der Coachings auf Schüler- und Lehrerebene wurden im Projekt entwickelt bzw. aus bestehenden Instrumenten adaptiert.

Während bei der Entwicklung der Coachings hauptsächlich qualitative Verfahren (z. B. Experteninterview) zum Einsatz kamen, werden die Evaluationsdaten im Wesentlichen quantitativ ausgewertet. Die Datenerhebung ist im Wesentlichen abgeschlossen, so dass aktuell umfangreiche Datensätze codiert und ausgewertet werden. Parallel zu diesen Arbeiten werden momentan Publikationen erster Ergebnisse erstellt. Zwei Vertiefungsstudien (experimentelle Erprobung von Unterrichtsmaterialien; internationaler Vergleich von Lehrerprofessionswissen) sind bereits in Vorbereitung.

ACKNOWLEDGEMENTS

Dieses Projekt ist ursprünglich im Kontext des Promotionskollegs ProfiL (Professionalisierung im Lehrberuf; Teilprojekt ProfiL9) angesiedelt und wurde von Prof. Markus Vogel, Prof. Tobias Dörfler (beide PH Heidelberg) und Prof. Andreas Eichler (Universität Kassel) eingeworben. Dr. Ute Sproesser arbeitet seit August 2014 mit dem Ziel der Habilitation in diesem Projekt. Von August 2014 bis September 2017 erfolgte die Finanzierung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Von Oktober 2017 bis September 2018 führt Dr. Ute Sproesser die Projektarbeit im Rahmen einer Professurvertretung im Kontext von heiEDUCATION weiter.

LITERATUR

  • Hadjidemetriou C. & Williams, J. S. (2002). Teachers’ pedagogical content knowledge: graphs, from a cognitivist to a situated perspective. In A. D. Cockburn & E. Nardi (Eds.), Proc. 26th Conf. of the Int. Group for the Psychology of Mathematics Education (Vol.3, pp. 25–30). Norwich: University of East Anglia.
  • Hinrichs, G. (2008). Modellierung im Mathematikunterricht. Heidelberg: Springer Spektrum.
  • Lipowsky, F. (2013). Theoretische und empirische Perspektiven zur Wirksamkeit von Lehrerfortbildung. In E. Terhart, H. Bennewitz & M. Rothland, Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf. Münster: Waxmann.
  • Nitsch, R. (2015). Diagnose von Lernschwierigkeiten im Bereich funktionaler Zusammenhänge. Dissertation. Wiesbaden: Springer Spektrum.
  • Shute, V. (2008). Focus on formative feedback. Review of Educational Research, 78, 153–189.
  • Vollrath, H.-J.(1989). Funktionales Denken. Journal für Mathematikdidaktik 10, 3–37.