Klimawandel an öffentlichen Plätzen der Stadt Heidelberg. Transdisziplinäre Herausforderungen urbaner Räume

KURZEXPOSÉ

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Bild: © Kathrin Leutz

Die große Herausforderung des Klimawandels sorgt vor allem in Städten – die gleichermaßen für einen Großteil des anthropogenen Treibhauseffekts mitverantwortlich sind – für Handlungsbedarf. Nachhaltige Zukunftsmodelle der modernen Stadt zielen dabei vor allem auf Mitigation, also Verringerung der Treibhausgasemissionen, ab, mit zwei wesentlichen Faktoren: Energieeinsparung und Energieeffizienz (effiziente und CO2-arme Energieversorgung). Parallel dazu widmen sich Städteplaner/innen aber zunehmend der Notwendigkeit der Anpassung an den bereits unvermeidbaren Klima-wandel. Dieser beeinflusst das Klima der Städte bedeutend. Die kommunale Infrastruktur, Gesundheitsrisiken für Bürger/innen oder städtische Grünanlagen stehen unter dem sich verändernden Witterungseinfluss. Zunehmende Starkniederschläge, Überhitzung und das Auftreten von Stürmen sind Beispiele, die alle urbanen Handlungsfelder betreffen und Anpassungsstrategien erfordern (Helbig, Baumüller & Kerschgens 1999, IPCC 2013, Kuttler 2008, McDonald et al. 2011, Ruth & Baklanov 2012).

Das konkrete Vorhaben in diesem Projekt besteht in der Datenerhebung und -auswertung unterschiedlicher Klimaparameter sowie der Befragung von Bürger/innen zur Wahrnehmung des Klimawandels an öffentlichen Plätzen in Heidelberg. Ein Vergleich alter städtischer Plätze mit neugeschaffenen Erholungsbereichen wie beispielsweise in der Bahnstadt ermöglicht eine Bewertung hinsichtlich der wesentlichen Faktoren bei der Neuplanung solcher Flächen, um sowohl klimatischen als auch gesellschaftlichen Nutzen zu generieren. Die Erhebungen und Messungen können Grundlage für eine qualitative Bewertung solcher öffentlichen Plätze und Erholungsräume sein und vereinen interdisziplinäre Methoden der Geographie und verwandter Fachgebiete.

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Bild: © Kathrin Leutz

EINBINDUNG IN DER LEHRE

Die Relevanz der Thematik für die Lehrerbildung besteht in der Aktualität, dem lokalen Bezug am Standort Heidelberg und der forschungsbasierten Umsetzung (Forschendes Lernen).

Klimawandel ist eine aktuelle, nicht auf die Wissenschaft beschränkte Problemstellung, die auch im Kontext Schule immer mehr an Bedeutung gewinnt – künftige Lehrer/innen müssen sich mit den daran anknüpfenden Themen und Problematiken auseinandersetzen, um erfolgreich an der Schnittstelle Geographie, nachhaltige Entwicklung und Gesellschaft vermitteln zu können. Über praxisorientierte Projektseminare können dementsprechend komplexe Themen der Klima- und Umweltforschung mit Lehramtsstudierenden bearbeitet werden, um dabei sowohl fachwissenschaftliche Unterstützung und Datenerhebung zu leisten sowie die Fachwissensbildung forschungs- und anwendungsgestützt zu begleiten.

„In Zukunft wird es weniger auf die fachlichen Dozierkompetenzen ankommen, als auf Moderations-, Mediations- und Beratungstechniken, auf Experimentierfreude, Anleitung zu selbsttätigen Beobachtungen, Aktionen und umfassende sinnliche Erfahrungen sowie Probehandeln.“ (De Haan 1999).

Bildung für nachhaltige Entwicklung verfolgt einen systemischen Ansatz, um lösungsorientiertes, kritisches Denken von Lernenden zu fördern. Auch das Forschende Lernen als eine spezifische Methode ähnelt diesem Konzept in der kreativen Herangehensweise, mit der Lernende an Lösungen von Problemstellungen durch aktive Lernprozesse wie Entwicklung einer Fragestellung, Planung, Durchführung und Reflexion herangeführt werden.

„Forschendes Lernen zeichnet sich vor anderen Lernformen dadurch aus, dass die Lernenden den Prozess eines Forschungsvorhabens, das auf die Gewinnung von auch für Dritte interessante Erkenntnisse gerichtet ist, […] in selbständiger Arbeit oder in aktiver Mitarbeit in einem übergreifenden Projekt (mit)gestalten, erfahren und reflektieren“ (Huber 2014). Diese Definition beschreibt das Vorhaben meines Dissertationsprojektes, Studierende aktiv einzubinden; für meine Lehre heißt das, Studierende auf Problemstellungen des Stadtklimas in Zeiten des Klimawandels aufmerksam zu machen und sie an der Bearbeitung von Minderungs- und Anpassungsstrategien im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung teilhaben zu lassen. Sie bearbeiten kleine Teilprojekte innerhalb des Gesamtprojekts, indem sie Messtechniken und Methoden der Datenaufnahme und -auswertung unter den Gesichtspunkten einer eigens gewählten Fragestellung kennenlernen und selbstständig durchführen. Die in diesem Kontext entstehenden Arbeiten der Studierenden und meiner darauf aufbauenden Dissertation leisten deshalb einen Beitrag für die nachhaltige Stadtentwicklung in Heidelberg und transferieren die Expertise aus Behörde und Wissenschaft auf eine lokale Ebene.
Die Kopplung von Lehrveranstaltungen an Forschungsprojekte kann nicht nur für beide Seiten – Lehrende und Lernende – lohnend sein, sie ist sogar durch viele Parallelen und Berührungspunkte zwischen dem Forschungszyklus (vgl. nach Atteslander 2003) einerseits und dem Lernzyklus (vgl. nach Kolb 2015) andererseits naheliegend. An diesen Überschneidungspunkten kann Forschendes Lernen mit verschiedenen Formaten ansetzen.