Selbstwirksamkeitserwartung bei Lehramtsstudierenden: Empirische Untersuchung im Kontext des Praxissemesters unter besonderer Berücksichtigung von Attributionsstilen

PROJEKTZUSAMMENFASSUNG

Der Schwerpunkt dieses aus drei Studieren bestehenden Promotionsvorhabens liegt auf der Beforschung des Zusammenhangs zwischen der Entwicklung der Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden während ihres Semesterpraktikums und ihren Attributionsmustern. Dabei wird ein positiver  Einfluss bestimmter Attributionsstile auf die Entwicklung der Selbstwirksamkeitserwartung vermutet. Sollte sich diese Erwartung bestätigen, könnte das Attributionsverhalten der Studierenden längerfristig in der Praxisbegleitung berücksichtigt werden, etwa durch die Implementierung bereits erprobter (Re-)Attributionstrainings, um ihre Selbstwirksamkeitserwartungen bereits im Studium bestmöglich zu unterstützen.

RELEVANZ FÜR DIE LEHRERBILDUNG

Die Lehrer-Selbstwirksamkeitserwartung (Bandura, 1977) bezeichnet die subjektive Überzeugung einer Lehrkraft, eine bestimmte berufsspezifische Herausforderung aufgrund der eigenen Kompetenzen bewältigen zu können. Zahlreiche Studien belegen die große Relevanz der Lehrer-Selbstwirksamkeitserwartung für den schulischen Kontext auf unterschiedlichen Ebenen: Lehrkräfte mit einer höheren Selbstwirksamkeitserwartung zeigten eine größere Berufszufriedenheit sowie ein günstigeres Stresserleben (Schmitz, 1999), eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Unterrichtsmethoden, eine stärkere Strukturiertheit in ihren Instruktionen und einen größeren Enthusiasmus beim Unterrichten (Allinder, 1994). Zudem konnten Zusammenhänge mit den Leistungen (Klassen & Tze, 2014) sowie schulbezogenen Einstellungen ihrer Schüler/innen (Midgley, Feldlaufer & Eccles, 1989) festgestellt werden.

ENTWICKLUNG DER SELBSTWIRKSAMKEITSERWARTUNG

Die Entwicklung der Selbstwirksamkeitserwartung im Rahmen erster Unterrichtserfahrungen im Lehramtsstudium ist dabei von besonderem Interesse, denn zum einen wird von einer zunehmenden Resistenz gegenüber Veränderungen im Laufe der Berufsbiografie ausgegangen (Tschannen-Moran, Woolfolk Hoy & Hoy, 1998) und zum anderen wird angenommen, dass eigene Erfahrungen die Hauptquelle der Selbstwirksamkeitserwartung darstellen (Bandura, 1977). Es scheint plausibel, dass der Einfluss dieser Erfahrungen auf die Selbstwirksamkeitserwartung unter anderem davon abhängt, mit welchen Ursachen ihre Entstehung erklärt wird (Tschannen-Moran, Woolfolk Hoy & Hoy, 1998; Weiner, 1985). Beispielsweise sollte eine erfolgreiche Unterrichtsstunde andere Auswirkungen haben, wenn sie mit der eigenen Lehrerpersönlichkeit, anstatt mit Glück, erklärt wird.

LITERATUR

  • Allinder, R. M. (1994). The relationship between efficacy and the instructional practices of special education teachers and consultants. Teacher Education and Special Education, 17, 86–95.
  • Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84, 191–215.
  • Klassen, R. M. & Tze, V. M. (2014). Teachers’ self-efficacy, personality, and teaching effectiveness. A meta-analysis. Educational Research Review, 12, 59–76.
  • Midgley, C., Feldlaufer, H. & Eccles, J. S. (1989). Change in teacher efficacy and student self- and task-related beliefs in mathematics during the transition to junior high school. Journal of Educational Psychology, 81, 247–258.
  • Schmitz, G. S. (1999). Zur Struktur und Dynamik der Selbstwirksamkeitserwartung von Lehrern. Ein protektiver Faktor gegen Belastung und Burnout? Dissertation. Freie Universität Berlin. Zugriff am 24.11.2015. Verfügbar unter https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/12208
  • Tschannen-Moran, M., Woolfolk Hoy, A. & Hoy, W. K. (1998). Teacher efficacy: Its meaning and measure. Review of Educational Research, 68, 202–248.
  • Weiner, B. (1985). An attributional theory of achievement motivation and emotion. Psychological Review, 92, 548–573.