Das Deeper Learning Unterrichtsmodell

DEEPER LEARNING UNTERRICHTSDESIGNS KONZIPIEREN

Wenn wir Lernende heute so unterrichten, wie wir gestern unterrichtet wurden, nehmen wir ihnen ihr Morgen.  

(John Dewey)

Das Deeper Learning Unterrichtsmodell (Sliwka 2018) dient der Strukturierung von Unterrichtsprozessen. Es untergliedert den Unterricht in eine Instruktions-, eine Ko-Konstruktions-/Ko-Kreations- und eine Präsentationsphase. Damit Schülerinnen und Schüler engagiert lernen, ist das Lehrkräftehandeln flexibel und adaptiv.

Bild 9 Deeper Learning Initiative

INSTRUKTION

Zunächst steht das Verstehen von fachlichen Schlüsselkonzepten im Vordergrund. Durch instruktive Prozesse, sei es durch die Expertise der Lehrkraft oder digital gestützt, eignen sich Lernende zentrale fachliche Begriffe und fundamentale Wissensgrundlagen an.

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KO-KONSTRUKTION BZW. KO-KREATION

Auf die Phase des Wissensaufbaus folgt eine Phase, in der die ko-konstruktive bzw. ko-kreative Arbeit mit Wissen im Vordergrund steht. Dabei geht es um die Fähigkeit mit Wissen problemlösend und kreativ arbeiten zu können. In der Regel arbeiten die Lernenden hier in kleinen Teams aktiv und selbstreguliert. Durch die Möglichkeit im Rahmen des Lernprozesses bestimmte Entscheidungen selbst zu treffen (Prinzip von „voice & choice“), erleben sie Selbstwirksamkeit und werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt. Ziel dieser Phase ist auch einen Rahmen zu schaffen, in dem Schülerinnen und Schüler authentisch arbeiten und engagiert lernen können.

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PRÄSENTATION

Deeper Learning bedeutet authentisches Arbeiten. Daher mündet Unterricht nach der Pädagogik des Deeper Learning in einer Phase der Präsentation oder der tatsächlichen Anwendung/Umsetzung des Gelernten, z. B. in einer Erfindung, einer Aufführung, einer Publikation, einer Ausstellung etc. für eine authentische Zielgruppe oder ein echtes Publikum.

Phase  Instruktion Ko-Konstruktion  und Ko-Kreation Präsentation
Prozess

Substantieller Input von Experten

Unterschiedliche Kanäle der Vermittlung

Eigenständige Arbeit an komplexen Aufgaben (Teamarbeit, Einzelarbeit, Mischform)

Voice & Choice durch Schülerinnen und Schüler

Präsentation und kritische Reflexion von Arbeitsergebnissen und Arbeitsprozess in authentischen Formen

Lernziel

Tiefes Verständnis von fachlichen Schlüsselkonzepten

Entwicklung anspruchsvoller Kompetenzen

Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und kreative Problemlösung

Erreichen von Arbeitsergebnissen und Meta-Reflexion

Lehrerrolle

Aufbau kognitiver Strukturen als Basis zur Erlangung von Expertise anleiten

Modelling, Coaching, Scaffolding, Fading, Articulation, Exploration, Reflection, formatives Feedback

Formatives & summatives Feedback

Quelle: Sliwka, A. (2018): Pädagogik der Jugendphase: Wie Jugendliche engagiert lernen. Weinheim: Beltz.

DEEPER LEARNING MEETS UNIVERSAL DESIGN FOR LEARNING (UDL)

Deeper Learning lässt sich mit Universal Design for Learning kombinieren. Das Konzept Universal Design stammt ursprünglich aus der Architektur. Jeder Person wird ermöglicht, ein Gebäude nach ihren individuellen Ansprüchen und Möglichkeiten zu nutzen. Dieses Konzept wurde auf die Bildung übertragen: Jedem Schüler und jeder Schülerin soll ermöglicht werden, mit seinen/ihren individuellen Anforderungen am Bildungsangebot teilnehmen zu können und individuell gefördert zu werden. Universal Design for Learning gründet sich auf folgende Begriffe:

  • ENGAGEMENT
    Der Unterricht soll das Interesse der Schüler/innen wecken und sie zum Lernen motivieren.
  • REPRESENTATION
    Die Inhalte werden auf verschiedenen Wegen vermittelt, damit jede/r Schüler/in die Möglichkeit hat, sie zu verstehen.
  • ACTION & EXPRESSION
    Den Schüler/innen stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, ihr Wissen zu präsentieren.