Literatur inspiriert.

Neue Universität
Grabengasse 3–5
69117 Heidelberg
Deutschland

NEUE PERSPEKTIVEN AUF DEN ALT- UND NEUSPRACHLICHEN LITERATURUNTERRICHT

Bild Literatur in der Krise | © istock/seb_ra
Bild: © istock.com/seb_ra

Die Freude an der Lektüre eines literarischen Textes ist die Freude daran, sich in einer Geschichte zu verlieren und die Welt um sich herum zu vergessen. Es ist die Freude daran, dem Fremden zu begegnen, sich davon berühren zu lassen und die Spuren, die es hinterlässt, beim Wiederauftauchen mit ins Leben zu nehmen.

Dass es gerade der Fremdsprachenunterricht ist, der ein ungemeines Potenzial birgt, die Lust an der Literatur zu wecken, will diese Tagung zeigen: Die Begegnung mit einem literarischen Text ermöglicht es, zu lernen, immer wieder über den Tellerrand hinauszuschauen und das Unbekannte mit Neugier zu betrachten. Die fremdsprachliche Lektüre trägt dabei in besonderem Maße zur Erschließung neuer Perspektiven bei.

Die Tagung versteht sich als Ideenwerkstatt, in der Handlungsperspektiven für den fremdsprachlichen Literaturunterricht entwickelt werden sollen. Sowohl Studierende und Lehrkräfte als auch Expertinnen und Experten der Fachdidaktik und Fachwissenschaften kommen hier ins Gespräch. In ihrer Zweiteilung in theoriegeleitete Vorträge und praxisorientierte Workshops spiegelt sich die angestrebte enge Verzahnung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik wider.

Dr. Herle-Christin Jessen (Romanisches Seminar, Universität Heidelberg), Christian Haß (Seminar für Klassische Philologie, Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Johannes Odendahl (Institut für Fachdidaktik, Bereich Didaktik der Sprachen, Universität Innsbruck) setzen sich am Vormittag mit der Literaturdidaktik und insbesondere dem Erwerb ästhetisch-literarischer Kompetenzen auseinander. Die Vorträge widmen sich nicht nur der Reflexion oder Verortung dieser Kompetenzen in den aktuellen baden-württembergischen Bildungsplänen, sondern bieten auch eine sprachenübergreifende, skeptische Auseinandersetzung mit der Vermittelbarkeit und Messbarkeit von literarischem Verstehen.

Am Nachmittag geben Workshops Einblicke in die Praxis. Drei erfahrene Lehrkräfte, Maria-Lucia Di Miceli (Werner-Heisenberg-Gymnasium Weinheim), Laura Klas (Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg) und Miriam Wedekind (Adolf-Schmitthenner-Gymnasium Neckarbischofsheim) bieten in kleinen Runden Einblicke in die Vielfalt und Potenziale des fremdsprachlichen Literaturunterrichts.

PROGRAMM

– Rauminformationen folgen –

09:15–09:45 Uhr: Begrüßung und Tagungseröffnung


09:45–10:45 Uhr: „Konzeptualisierung ästhetischer Kompetenzen am Beispiel französischer Gegenwartsliteratur“
Vortrag mit anschließender Diskussion


10:50–11:20 Uhr: Kaffeepause


11:20–12:20 Uhr: „Text- und Literaturkompetenz“ versus „Text- und Medienkompetenz“. Erkundungen zum Ort der ‚Literatur‘ in den aktuellen Bildungsplänen Baden-Württembergs am Beispiel von Latein und Spanisch
Vortrag mit anschließender Diskussion

  • Christian Haß (Seminar für Klassische Philologie, Universität Heidelberg)

12:25–13:25 Uhr: „Literarisches Verstehen – eine vermittel- und messbare Kompetenz?“
Vortrag mit anschließender Diskussion


13:30–15:00 Uhr: Mittagspause mit individueller Verpflegung


15:00–16:00 Uhr: Workshop-Phase I


16:00–16:30 Uhr: Kaffeepause


16:30–17:30 Uhr: Workshop-Phase II

WORKSHOPS

Jeder Workshop findet sowohl in Phase I als auch in Phase II statt, sodass die Teilnehmer:innen insgesamt zwei der drei Workshops besuchen können. Die Teilnahme an den Workshops wird im Anschluss bescheinigt.

WORKSHOP 1 (MIRIAM WEDEKIND)

Reisen durch Literaturwelten. Textbegegnungen im alt- und neusprachlichen Unterricht

Auf dem Stundenplan der Mittel- und Oberstufe stehen in der Regel mehrere Fremdsprachen, darunter alte und neue Sprachen. Jede dieser Sprachen eröffnet den Lernenden eine ‚Literaturwelt‘, die sie im Unterricht entdecken und erleben können. Wir Lehrkräfte haben allerdings oft nur eine Sprache intensiv studiert, sind nicht in allen dieser Literaturwelten gleichermaßen zuhause und kennen Bildungsstandards, Didaktik und Methoden anderer Fremdsprachen kaum. Dieser Workshop soll die Gelegenheit bieten, Berührungspunkte und Differenzen zwischen dem Literaturunterricht in verschiedenen Fremdsprachen aufzuspüren, zu hinterfragen und zu diskutieren.
Aus meiner eigenen Lehrerfahrung werde ich Beispiele aus dem Latein- und Spanischunterricht vorstellen; die Teilnehmenden dürfen die Diskussion gerne um Perspektiven aus anderen Sprachen erweitern – ob sie eine oder mehrere Sprachen studieren/unterrichten, ist dabei unerheblich.


WORKSHOP 2 (LAURA KLAS)

#Galliadivisa – moderne Medien, soziale Netzwerke und altsprachlicher Literaturunterricht

Der Lateinunterricht sieht sich mit vielen Vorurteilen konfrontiert: „verstaubt“, langweilig, viel Auswendiglernen, kein Bezug zur Lebenswelt der Schüler – um nur die populärsten Stereotype zu nennen. Die Lektüre von Caesars Bellum Gallicum und Ovids Metamorphosen wirkt im Vergleich zu Unterrichtsinhalten aus den modernen Fremdsprachen oft nahezu aus der Zeit gefallen. Umso größer ist die Herausforderung, altsprachlichen Literaturunterricht für die Schülergruppe interessant und inspirierend zu gestalten und die genannten Vorurteile zu überwinden.
Dieser Workshop soll einen Einblick geben in die vielfältigen Möglichkeiten, die sich für die Lektüre und Interpretation lateinischer Literatur durch Apps und soziale Medien eröffnen. Nepos‘ Hannibalvita als Trickfilm und Ovid mit seinem Liebesratgeber Ars Amatoria als antiker Influencer auf Instagram seien hier nur beispielhaft genannt. Viele weitere Einsatzszenarien werden im Workshop vor- und zur Diskussion gestellt.


WORKSHOP 3 (MARIA-LUCIA DI MICELI)

Fiktionale vs. non-fiktionale Literatur: Zum Mehrwert einer literarischen Lektüre im modernen Fremdsprachenunterricht

„Müssen wir eine Lektüre lesen?“ – Eine Frage, die im Unterricht der modernen Fremdsprachen hin und wieder gerne gestellt wird und uns Lehrpersonen für einen Moment ins Stocken bringen kann.
Welchen Mehrwert hat die Auseinandersetzung mit fiktionalen Texten gegenüber der mit non-fiktionalen Texten? Und stellen Sachtexte eine geeignete Alternative zu literarischen Texten dar, wenn es darum geht, die im Bildungsplan aufgeführten Kompetenzen zu vermitteln?
Am Beispiel verschiedener Textsorten aus dem Französisch- und Italienischunterricht sollen diese und weitere Fragen erörtert und gemeinsam diskutiert werden.

WEITERE INFORMATIONEN

Die Veranstaltung richtet sich gleichermaßen an Lehrkräfte aller Schultypen, an Lehramtsstudierende der Universität Heidelberg und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sowie an junge Wissenschaftler:innen aus dem Bereich der alten und neuen Philologien, die an einem kreativen Austausch interessiert sind.

Es wird angestrebt, die Tagung in Präsenz abzuhalten. Sollte dies nicht möglich sein, wird sie digital über Zoom stattfinden.

ANMELDUNG UND TEILNAHMEBEDINGUNGEN

Aufgrund der pandemiebedingten Abstandsregelungen ist die Anzahl der Teilnehmer:innen begrenzt; es gelten die 3G-Regeln (Zutritt nur für nachweislich Geimpfte/Genesene sowie tagesaktuell Getestete).

Sowohl für die Vorträge als auch für die Workshops ist daher eine Anmeldung per E-Mail an V.Caillet@stud.uni-heidelberg.de erforderlich; für die Workshops wird diese bis spätestens 3. November erbeten. 

Zur Anmeldung werden folgende Informationen benötigt:

  • Name, Vorname
  • „Status“ (Lehrkraft/Studierende:r)
  • Fächer
  • Teilnahme an Vorträgen und/oder Workshop(s)

Mit der Anmeldung geben Teilnahmeinteressierte ihr Einverständnis zur Aufnahme von Bildern und willigen ein, dass die im Rahmen der Tagung entstandenen Bilder auf der Seite der Heidelberg School of Education veröffentlicht werden.

Sollten bereits angemeldete Teilnehmer:innen das Tagungsangebot doch nicht wahrnehmen können, bitten wir um eine kurze Absage per E-Mail, um ggf. anderen Teilnahmeinteressierten einen Platz anbieten zu können.

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