Mehr populäre Kultur wagen: Zur Integration von Populärkultur in der Lehrer*innenbildung

PROJEKTVERANTWORTLICHE

  • PD Dr. Stefanie Samida (Heidelberg School of Education)

PROJEKTPARTNER

  • Prof. Dr. Cord Arendes (Universität Heidelberg)

HILFSKRAFT

  • Henning Jansen

ABSCHLUSSBERICHT

Ziel des Projekts war es, die beiden bisher wenig aufeinander bezogenen Felder Populärkultur und (kulturelle) Bildung zusammenzuführen und das pädagogische Potenzial von Populärkultur in Bildungsprozessen auszuloten. Der Zugang erfolgte sowohl theoretisch als auch praktisch. Das Ergebnis besteht aus drei ‚Produkten‘ (Kapitel eines Buchprojekts, Podiumsveranstaltung, zwei Unterrichtsentwürfe).

Die Reflexion über die Konzepte Bildung und populäre Kultur erfolgte auf zwei Ebenen: Zum einen im kontinuierlichen Austausch der Projektpartner und zum anderen über eine Podiumsdiskussion mit auswärtigen und ausgewiesenen Expert*innen zum Thema „Populäre Kultur und kulturelle Bildung: Zwei Seiten einer Medaille?“, die am 25. Juni 2019 in den Räumlichkeiten der Heidelberg School of Education stattfand. Als Gäste für die Podiumsdiskussion konnten gewonnen werden:

  • Dr. Brigitte Frizzoni (Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft – Populäre Kulturen, Universität Zürich);
  • Dr. André Schütte (Allgemeine Pädagogik, Universität Siegen);
  • Dr. Monika Weiß (Medienpädagogik und Medienzentrum, Pädagogische Hochschule Heidelberg);
  • Kirsten Witt (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V.).

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass ein gewisses Maß an Unsicherheit vorherrscht, wenn es um die Integration von Populärkulturellem in den Schulunterricht geht. Auch wenn nicht immer alles pädagogisiert werden muss, so waren sich die Teilnehmer*innen am Ende doch einig, dass der Lebenswelt und Alltagsrealität von Schüler*innen in diesem Bereich deutlich mehr als bisher Rechnung getragen werden müsse; hierzu gehört nicht nur die Beschäftigung mit populärkulturellen Produkten wie Fernsehserien, sondern auch die Auseinandersetzung mit und Bedeutung von Fankultur(en) für Kinder und Jugendliche. Wie im Projektantrag vorgesehen, haben die Projektbeteiligten einen Blogbeitrag für den HSE-Blog „Fokus Lehrerbildung“ verfasst, der die Diskussion nachzeichnet.

Die Podiumsdiskussion lieferte Anregungen für die Ausarbeitung der beiden geplanten Unterrichtsentwürfe. Ursprünglich war vorgesehen, zwei Unterrichtsvorschläge (inkl. Unterrichtsmaterial) für das Schulfach „Geschichte“ am Beispiel der TV-Serie Star Trek zu entwerfen. Angeregt durch die Debatte und die Auseinandersetzung mit Aspekten von Fankultur(en) wurde dieses Vorhaben leicht abgeändert. Wie geplant, integriert ein Unterrichtsentwurf die Serie Star Trek (für das Fach „Geschichte“), während der andere Entwurf Fankultur(en) thematisiert und auf das neue Wahlpflichtfach für die Sekundarstufe I „Alltagskultur, Ernährung, Soziales (AES)“ zielt. Beide Vorschläge bieten vielfältige Anknüpfungspunkte und dienen als Anstoß, mehr Populärkulturelles in den Schulunterricht zu integrieren – gerade dort, wo auf den ersten Blick kein oder nur wenig Bezug vorhanden zu sein scheint.

Der Geschichtsunterricht in Klassenstufe 7/8 widmet sich der „Wende zur Neuzeit“ unter anderem über neue Welten und neue Horizonte und damit auch über die Erschließung der Welt. Wege sich dieser Thematik zu nähern, gibt es viele. Eine Option liegt in der Auseinandersetzung mit der Folge „Der Sammler“ aus Star Trek: The Next Generation. Sie ermöglicht einen etwas anderen Einstieg in das Thema Frühe Neuzeit am Beispiel früher Sammlungen bzw. sog. Kuriositätenkabinette oder Wunderkammern.

Das Wahlpflichtfach AES setzt sich unter anderem mit der Lebenswelt und den Lebenserfahrungen von Kindern und Jugendlichen auseinander. Hierzu gehört, ein grundlegendes Verständnis für Alltagskultur zu entwickeln und Konsumverhalten und Lebensstile zu reflektieren, wozu auch populärkulturelle Praktiken und damit die Beschäftigung mit Fans bzw. dem Fandom zählt. Unser Unterrichtsentwurf thematisiert diesen Aspekt.

Die beiden Unterrichtsvorschläge wurden mit einer externen Bildungsexpertin, die in der Lehrer*innenbildung tätig ist, besprochen und im Anschluss daran modifiziert. Sie sollen über die Homepage der Heidelberg School of Education veröffentlicht werden.