Was geht im Lehramt? Interdisziplinäre Workshops für Lehramtsstudierende

IM RAHMEN DER KOMPAKTTAGE ZUM MASTER OF EDUCATION

Bild HSE Kompakttage Workshops SoSe 2020
Grafik: © istock.com/elenabs

Fachübergreifende, von Lehrenden beider Hochschulen konzipierte Workshops bieten Bachelor- und Master-Studierenden mit Berufsziel Lehrer/in die Gelegenheit, den Blick über den fachlichen Tellerrand zu wagen und sich intensiv mit Themen auseinanderzusetzen, die interdisziplinär für die Lehrerbildung relevant sind.

Die Workshops finden im Zeitraum vom 30. März bis zum 2. April an unterschiedlichen Orten statt; Details entnehmen Sie bitte der jeweiligen Workshopbeschreibung.

Das Angebotsspektrum umfasst folgende Themen:

POLITISCHE BILDUNG MIT GEFÜHL

Theresa Rütermann und Michelle König

Montag, 30.03.2020 |14:00–16:30 Uhr | Heidelberg School of Education, Bergheimer Straße 104, Raum 004

Nicht nur am Stammtisch oder in den sozialen Medien werden politische Auseinandersetzungen stark emotionalisiert − gerade auch Politiker/innen nutzen häufig einen emotionalen Zugang zu ihrer potenziellen Wählerschaft, um möglichst „authentisch“ und „bürgernah“ zu wirken. In Zeiten von „gefühlten Wahrheiten“ und „Wutbürgern“ scheint es notwendig, den Emotionen in der öffentlichen politischen Debatte Rationalität und Sachlichkeit entgegenzusetzen. Dabei wissen wir aber auch, dass Emotionen hervorragende Lernanlässe bieten und nur durch sie nachhaltiges Lernen möglich ist. Es gibt demnach gute Gründe, sich intensiver mit der Rolle von Emotionen als pädagogischer Einflussgröße in der politischen Bildung zu befassen – kommt der Schule doch vorrangig die Aufgabe zu, junge Menschen zu selbstverantwortlichem Handeln in der demokratischen Gesellschaft zu befähigen. Hier bietet auch der Leitfaden „Demokratiebildung“, der seit September 2019 an allen Schulen in Baden-Württemberg verbindlich gilt, viele gute Impulse.

Welche Chancen und Risiken gehen mit Gefühlen und Emotionen in politischen Lern- und Meinungsbildungsprozessen einher? Welche Rolle spielen Empörung, Sorge, aber auch Mitgefühl und Solidarität für gesellschaftliches Engagement und politische Partizipation bei Kindern und Jugendlichen? Gemeinsam wollen wir mit realen Beispielen aus der Praxis eine „Politische Bildung mit Gefühl“ diskutieren und anhand praktischer Reflexionsübungen uns unserer eigenen Haltung zu diesem komplexen Thema bewusst werden.

JAKOB HEISST JETZT ANNA UND PETER KNUTSCHT MIT BEN – HETERONORMATIVITÄTSKRITISCHE BILDUNG ALS THEMA VON SCHULE UND UNTERRICHT

Dr. Klemens Ketelhut

Dienstag, 31.03.2020 |10:00–13:00 Uhr | Heidelberg School of Education, Bergheimer Straße 104, Raum 004

Etwa 10 Prozent der Menschen rechnen sich dem LSBTT*Q-Spektrum (lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, queer) zu (Deschamps & Singer:  2017). Das ist jede zehnte Person in einer Schule – Schüler/innen, Lehrer/innen, pädagogisches, technisches Personal, Verwaltungsmitarbeiter/innen. Bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Gruppen, die unter der Bezeichnung LSBTT*Q genannt werden, ist ihnen eines gemeinsam: sie irritieren das gesellschaftliche Ordnungsmuster Heteronormativität, das von einer naturgegebenen Zweigeschlechtlichkeit und heterosexuellen Orientierung aller Menschen ausgeht. Dieses Ordnungsmuster ist tief in das gesellschaftliche und alltägliche Denken und Handeln eingelassen und strukturiert den Umgang mit Geschlechtern und Sexualitäten – beispielsweise über Vorstellungen von Familie, geschlechts„konformen“ Verhaltensweisen, Arbeitsteilung usw. Abgesichert wird es durch unterschiedliche Formen der Abwertung und Diskriminierung, die sich gegen Personen richten, die nicht (ausschließlich) heterosexuell begehren und/oder die strikten Vorstellungen der Zweigeschlechtlichkeiten durch ihre Existenz irritieren. Im Kontext von Schule zeigt sich dahingehend eine ambivalente Situation:  Herrscht auf der Ebene von Unterricht und Schulkultur überwiegend beredtes Schweigen (Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2017 ) wird zum Beispiel Homosexualität auf dem Schulhof häufig thematisiert: Schwul und „Schwuchtel“ sind ausnehmend beliebte Schimpfwörter in deutschen Schulen (Klocke 2012). Große Teile in unterschiedlichen Studien befragter LSBT*Q-Lehrer/innen und Schüler/innen berichten, dass sie in Schulen verbal beschimpft, beleidigt oder anderweitig sozial diskriminiert wurden (Krell & Oldenmeier 2017; Antidiskriminierungsstelle 2017).
Der Workshop greift diesen Zusammenhang auf und fragt zum einen danach, wie Schule und Unterricht in einem inklusiven Sinn so gestaltet werden können, dass Schüler/innen dort frei und sicher lernen können. Zudem werden politische Rahmenbedingungen und Anwürfe, denen sich heteronormativitätskritische Bildungszugänge ausgesetzt sehen, thematisiert.

VIRTUELLE REALITÄT ODER REALE VIRTUALITÄT?

Dr. Christian Wagner

Dienstag, 31.03.2020 |14:00–17:00 Uhr | Heidelberg School of Education, Bergheimer Straße 104, Raum 004

Das Erleben der Immersion mittels VR-Brillen ermöglicht nicht nur völlig neue Perspektiven im Hinblick auf die Vermittlung digitaler Inhalte, sondern bietet auch Anlässe zur Diskussion über Aspekte der Wirklichkeitskonstruktion und Identität im Zeitalter der virtuellen Realität. Die Nutzung von VR-Medien ist relativ einfach und intuitiv – der spielerische Charakter unterstützt die Motivation und sorgt für Spaß bei der inhaltlichen Auseinandersetzung. Schwieriger ist die Frage nach mediendidaktischen Einbindungen und Konzepten, mit denen das VR-Medium bildungsunterstützend wirksam werden kann. Im Hinblick auf das Zusammenspiel von Kunstpädagogik und VR muss zudem überprüft werden, ob es möglich ist, die Dominanz des VR-Erlebnisses in einen künstlerischen Prozess einzubinden und einer gestaltenden Auseinandersetzung fruchtbar unterzuordnen. Der Workshop lädt dazu ein, Virtual Reality selbst zu erleben und zeigt auf, wie VR als Schnittstelle, in Gestaltungsprozessen und zu Entertainmentzwecken genutzt werden kann. Gemeinsam beleuchten wir außerdem die Chancen und Begrenzungen, die VR insbesondere im Bildungskontext bietet.

DAS RICHTIGE IM FALSCHEN: ETHISCHE GRUNDFRAGEN VON BILDUNG

Dr. Dennis Dietz

Mittwoch, 01.04.2020 |11:00–13:00 Uhr | Heidelberg School of Education, Voßstraße 2, Gebäude 4330, Konferenzraum

Zu den vielfältigen Aufgaben, mit denen Lehrerinnen und Lehrer konfrontiert sind, gehört auch die ethische Bildung der Schülerinnen und Schüler. Außer- und innerhalb des Fachunterrichts sollen diese urteilen und sich ethisch reflektieren lernen. Dabei sind Lehrerinnen und Lehrer in mehrfacher Hinsicht gefordert: sie sollen dieses Urteilen-Lernen anregen und unterstützen, sie sollen – ohne zu überwältigen – die ethische Orientierung fördern und sie werden nicht zuletzt in ihren eigenen Entscheidungen und Verhaltensweisen zu ethischen Modellen. Sie selbst geraten als ethische Personen in den Blick und werden auf ihre Authentizität, ihre Unvollkommenheit und ihre Autonomie hin angesprochen. Zudem sind Lehrerinnen und Lehrer im Schulbetrieb selbst immer wieder vor ethische Entscheidungen gestellt. Sie bestimmen mit über Biografien, müssen sich gegenüber Kolleginnen und Kollegen verhalten und sind gefordert, in schwierigen Situationen verantwortlich zu entscheiden.

Im Workshop „Das Richtige im Falschen“ wollen wir dieses komplexe Feld ethischer Grundfragen von Bildung und Bildungsprozessen betreten und einige dieser Fragen exemplarisch stellen und diskutieren.

SPRACHLICHE PERSPEKTIVEN AUF EGO-DOKUMENTE AUS DER DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN GRENZREGION

Lena Sowada

Donnerstag, 02.04.2020 |11:00–13:00 Uhr | Heidelberg School of Education, Voßstraße 2, Gebäude 4330, Konferenzraum

Der Erste Weltkrieg ist nicht nur ein historisches Ereignis mit tiefgreifenden Konsequenzen für die beteiligten Länder, sondern auch ein kommunikatives Ereignis, das seinerzeit eine Vielzahl von Menschen zum Schreiben bewegte, die in ihrem Vorkriegsalltag nur wenig Kontakt mit der Schriftkultur hatten. Sogenannte Ego-Dokumente wie Briefe oder Tagebucheinträge ermöglichen angehenden Lehrer/innen eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven auf den Schriftspracherwerb, den schriftlichen Sprachgebrauch sowie die unterschiedliche Ideologisierung von Sprachen im Kontext des sogenannten Reichslands Elsass-Lothringen. Im Workshop werden unterschiedliche Aspekte vorgestellt und diskutiert sowie an ausgewählten Texten exemplarisch untersucht.

WEITERE INFORMATIONEN

Die im Rahmen der Kompakttage zum Master of Education angebotenen Workshops richten sich an alle Studierenden mit Berufsziel Lehrer/in, die ihren Horizont über fachwissenschaftliche Themen hinaus erweitern möchten.


ANMELDUNG

Bitte melden Sie sich bei Stefan Wender an – gerne können Sie sich auch für mehrere Workshops registrieren. Für die Teilnahme erhalten Sie eine Bescheinigung.

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