Critical Media Literacy

Critical Media Literacy (CML) vereint das theoretische und pädagogische Wissen, die Kompetenzen und die Fähigkeiten, die erforderlich sind, um sich kritisch hinterfragend und reflektiert mit komplexen Medienlandschaften auseinanderzusetzen und diese als verantwortungsvolle Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Der Themenbereich bietet damit vielfältige inhaltliche und konzeptionelle Anknüpfungspunkte an alle Bereiche der Lehrkräftebildung.

Als Lehrende, Studierende, Forschende, Pädagog:innen und Bildungspraktiker:innen tragen wir alle zur Entwicklung von Critical Media Literacy bei. Im Rahmen der Heidelberg School of Education laden wir dazu ein, gemeinsam Critical Media Literacy in der Lehrkräfteausbildung noch stärker sichtbar und für Studierende erfahrbar zu machen und in das Lehrangebot am Standort Heidelberg zu integrieren. 

Über Lehrendenaustausche, Workshops, Forschungsprojekte und (digitale) Lernformate zum Selbststudium bieten wir Räume für Dialog, Zusammenarbeit und Innovation in diesem Themenbereich und freuen uns über Mitwirkung – vor Ort in Heidelberg und im Rahmen internationaler Kooperationen. 

Ausgangspunkt für eine gemeinsame interdisziplinäre oder auch fachspezifische Auseinandersetzung mit Critical Media Literacy sind für uns folgende Überlegungen:

Schriftzug Critical Media Literacy. Die Buchstaben der einzelnen Worte sind mit Bildern hinterlegt, bei Critical sieht man Fragezeichen, bei Media Icons zu modernen Medien, bei Literacy Buchrücken.

Die Orientierung in einer sich rasch wandelnden, multimodalen Medienwelt erfordert Critical Media Literacy. Dieser theoretische und pädagogische Ansatz erweitert den Begriff literacy, indem er die kritische Analyse vertieft und die Handlungsfähigkeit stärkt.

CRITICAL ...

Im Sinne einer Critical Media Literacy bedeutet „kritisch“ nicht, Mediennutzer:innen oder -produzent:innen zu kritisieren. Vielmehr bezieht es sich darauf, kritisch zu untersuchen, wie Medien von Machtverhältnissen in der Gesellschaft geprägt werden und zu diesen beitragen:

  • Wessen Interessen werden vertreten?
  • Wessen Stimmen werden verstärkt oder marginalisiert?
  • Welche Werte und Annahmen sind in den Medien verankert?
  • Und welche Auswirkungen können diese Darstellungen haben?

... MEDIA ...

Aus der CML-Perspektive sind Medien keine neutralen Kommunikationskanäle. Sie sind die Technologien, Institutionen und Praktiken, durch die Bedeutungen geschaffen, geteilt, interpretiert und hinterfragt werden. Zu den Medien zählen Print-, Rundfunk- und digitale Kommunikationsformen sowie Algorithmen, Werbung und Bildungsmedien. Sie prägen Machtverhältnisse, Ideologien, Werte, Identitäten und soziale Normen, die sich in gesellschaftlicher, kultureller, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht reproduzieren, und werden gleichzeitig von diesen geprägt.

... LITERACY

Im CML-Konzept geht Medienkompetenz über die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben von Texten hinaus. Critical Media Literacy bezieht sich auf die Fähigkeit, über verschiedene Medienformen vermittelte Bedeutungen zu erschließen, zu analysieren, zu bewerten, zu gestalten und entsprechend zu handeln. Dazu gehört das Verständnis multimodaler Kommunikationsformen – wie visuelle, auditive, textuelle und interaktive Medien – sowie der sozialen und kulturellen Praktiken, durch die Bedeutung erzeugt und interpretiert wird.

Ein wesentliches Element des CML-Rahmenwerks ist die Medienproduktion, die als wertvolle Lernmöglichkeit dient. Jede Phase der Mediengestaltung beinhaltet bewusste Entscheidungen; das Erkennen, dass diese Entscheidungen auch anders getroffen werden könnten, fördert Reflexion, Handeln und kritisches Denken.

Exemplarische Fragen des Themenfelds sind

  • Welche mediendidaktischen Grundlagen benötigen künftige Lehrkräfte zur eigenen Gestaltung und Produktion von medialen Lerngelegenheiten und -umgebungen?
  • Wie lässt sich CML durch curriculare, pädagogische und institutionelle Ansätze in die Lehrkräfteausbildung integrieren oder sichtbarer machen?

CRITICAL MEDIA LITERACY ALS „FUTURE LITERACY“

Bildung für die Zukunft befasst sich mit der Frage, wie wir uns mögliche Zukunftsszenarien vorstellen, uns darauf vorbereiten und wie wir Zukunft gestalten können. Critical Media Literacy fragt hierbei, wer diese Zukunftsszenarien entwirft, über welche Medien und Technologien dies geschieht und welche Folgen dies für Bildungsprozesse und die Gesellschaft hat.

CML ist daher eine zentrale Dimension von zukunftsgerichteten Kompetenzen, Handlungen und Verständnisprozessen – also future literacies. Aufbauend auf kritischen Traditionen der Alphabetisierung (eine direktere Übersetzung von literacy auf Deutsch), einschließlich Paulo Freires Vorstellung vom Lernen „das Wort und die Welt zu lesen“, ist literacy im Sinne der Critical Literacy nicht eine neutrale Aneinanderreihung von Fähigkeiten (skills), sondern wird als soziale Praxis verstanden. Sie regt zum kritischen Hinterfragen darüber an, wie Wissen produziert wird, wessen Perspektiven vertreten oder ausgegrenzt werden und wie Macht durch Medien, Technologien und Bildungsstrukturen wirkt. 

Solche Fragen sind zentral für jede sinnvolle Auseinandersetzung mit der Zukunft: Wessen Zukunftsvisionen werden entworfen und priorisiert? Wer darf das Wissen, die Kompetenzen und literacies definieren, die Wirkmacht entfalten? Welche Stimmen werden einbezogen, und welche bleiben ungehört?

BEZUG ZU DEN BILDUNGSPLÄNEN

Medienbildung ist seit 2016 eine von sechs übergeordneten Leitperspektiven, die in allen Schularten, über alle Klassenstufen und über alle Fächer hinweg angewandt werden sollen. Einen direkten Bezug hat CML zur 2025 neu formulierten Leitperspektive „Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt (LP LDW)“ sowie zu den neuen Bildungsplänen zum Pflichtfach Informatik und Medienbildung (Gymnasium / Sek I), die aktuell in einer Anhörungsfassung vorliegen und zum August 2027 in Kraft treten sollen.

Darüber hinaus bietet CML jedoch auch Anknüpfungspunkte für andere Leitperspektiven wie „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ und „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und stellt eine fundamentale Grundlage dar für den Bereich der Demokratiebildung (siehe Leitfaden Demokratiebildung).


VERANSTALTUNGEN