ERASMUS+ STAFF WEEK VERNETZT EUROPÄISCHE PERSPEKTIVEN UND PRAXISANSÄTZE IN HEIDELBERG
Wie lässt sich Demokratiebildung in der Lehrkräftebildung wirksam verankern – und was können europäische Hochschulen hierbei voneinander lernen? Diese Fragen standen im Zentrum der Erasmus+ Staff Week „Education for Democracy“, die vom 16. bis 20. März 2026 erstmals als Kooperation des Akademischen Auslandsamts der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Heidelberg School of Education stattfand.
Hochschulmitarbeitende aus Belgien, Finnland, Österreich, Schweden und der Türkei kamen in Heidelberg zusammen, um sich über Konzepte, Herausforderungen und Perspektiven der Demokratiebildung in der Lehrkräftebildung auszutauschen. Die von Jennifer Bürk, Dr. Sebastian Mahner, Akad. Dir. Henrike Schön und Dr. Christiane Wienand organisierte Staff Week bot dabei viel Raum für den fachlichen Dialog und stärkte gleichzeitig internationale Netzwerke und Kooperationen.
Inhaltlich spannte das Programm einen Bogen von grundlegenden Konzepten bis hin zu konkreten Praxisbeispielen: In ihrer Keynote eröffnete Prof. Dr. Monika Oberle (Goethe-Universität Frankfurt) einen differenzierten Blick auf Demokratie als Lebens-, Gesellschafts- und Regierungsform und zeigte zentrale Prinzipien, Konzepte und Aspekte der Demokratiebildung auf. Die anschließenden Workshops und Sessions boten hierzu vielfältige Zugänge: Diskutiert wurden unter anderem die Rolle von Bildung als humanistische und gesellschaftliche Verantwortung (Prof Dr. Ulrike Graf, PH Heidelberg) oder der Umgang mit kontroversen Themen im Unterricht am Beispiel Chinas (Dr. Stefanie Elbern und Jonas Schmid, ChinaSchulAkademie). Dr. Christian Mühleis (PH Heidelberg) und Dr. Daniel Vetter beleuchteten innovative didaktische Ansätze wie Planspiele in der politischen Bildung, während Prof. Dr. Jochen Laub (PH Heidelberg) die ethische Dimension von Nachhaltigkeit in der Demokratiebildung in den Blick rückte. Auf die demokratiestützende Rolle der Bildung in einer diversen Gesellschaft verwies Prof. Dr. Havva Engin in ihrem Vortrag.
Ein besonderes Highlight stellte der Einblick in die Praxis dar: Die mit dem Demokratiepreis des Deutschen Schulpreises ausgezeichnete Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe demonstrierte anhand konkreter Beispiele, wie partizipative Schulentwicklung, fächerübergreifende Lernformate und eine konsequente Einbindung von Schüler:innen Demokratie für die gesamte Schulgemeinschaft erfahrbar machen. Formate wie das themenorientierte Arbeiten zu globalen Nachhaltigkeitszielen oder das schulische Beteiligungskonzept „Roter Salon“ veranschaulichten eindrücklich, wie demokratische Kompetenzen systematisch gefördert werden können und welch große Bedeutung einer entsprechenden Haltung, aber auch Vertrauen, Autonomie und Verantwortung dabei zukommt.
Ergänzt wurde das vielseitige Programm durch gemeinsame Reflexionsphasen, eine Abschlusspräsentation der Workshop-Ergebnisse sowie kulturelle Programmpunkte, die den internationalen Austausch auch über die fachlichen Diskussionen hinaus förderten – etwa ein Besuch im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma oder gemeinsame Exkursionen in Heidelberg.
Prof. Dr. Marita Friesen, Prorektorin für Forschung und Internationales der PH Heidelberg und seitens der Hochschule Geschäftsführende HSE-Direktorin, rahmte die Staff Week mit Beiträgen zur Eröffnung und zum Abschluss. Sie hob die zentrale Bedeutung von Demokratiebildung, Partizipation und Teilhabe sowie von Diversität und Nachhaltigkeit für die PH Heidelberg hervor und verwies zugleich auf internationale Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Der Austausch der Hochschulmitarbeitenden aus verschiedenen Ländern machte erneut deutlich, welche Schlüsselrolle Bildungseinrichtungen – insbesondere Hochschulen und Schulen – in einer unter dem Druck multipler Krisen stehenden Gesellschaft für die Stärkung demokratischer Werte spielen. Die Staff Week bot hierfür nicht nur den Rahmen zur Reflexion, sondern lieferte konkrete Impulse, um die Lehrkräftebildung in einem europäischen Kontext weiterzuentwickeln.